Podcast mit Jack Nasher: Stanford, München, Montabaur

Aug 21, 2020 | Podcast

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In dieser spannenden Podcastfolge “Jack Nasher Stanford, München, Montabaur” haben wir unter anderem über Nashers Tätigkeit in Oxford am Campus der Stanford-University gesprochen. Was sind die Unterschiede zwischen Universitäten in der neuen und der alten Welt? Was hat seinen Kurs “Deal Dynamics” zu einem der beliebtesten am Oxford-Campus gemacht? Aber es geht auch um kulturelle und strukturelle Unterschiede, Political Correctness und seine Begegnung mit Donald Trumps China-Dealmaker Robert Lightizer.

Zwei Top-Universitäten verbinden die neue und die alte Welt

Gerade einmal 129 Jahre jung ist die amerikanische Stanford-University im sonnigen Kalifornien. Seit 2011 befindet sie sich unangefochten auf dem zweiten Platz der besten Universitäten der Welt. Begünstigt von der Nähe zum Silicon Valley hat Stanford viele Gründer bekannter IT-Unternehmen hervorgebracht (Google, Yahoo). Seit 1982 betreibt Stanford an zehn Universitäten unter dem Namen Bing Overseas Studies Program weltweit Außenstellen. Dieses Programm ermöglicht Stanford Studenten ein Auslandsstudium oder Praktikum.

Teil der Oxford-University zu sein, steht auch beim modernsten Amerikaner hoch im Kurs.

Der beliebteste Auslandscampus im letzten Semester war Oxford. Das ist sehr interessant, weil die klassisch geisteswissenschaftlich geprägte Oxford-University ein starker Kontrast zu Stanford ist. Diesen Unterschied, kann man auch am Alter festmachen – Oxford wurde im 12. Jahrhundert gegründet und ist somit die älteste englischsprachige Universität weltweit. Die Nachfrage ist weltweit sehr hoch, so dass es sehr sehr hart ist dort aufgenommen zu werden. Das zeigt sich auch an den Studenten, die durchgängig sehr gut sind.

Deal Dynamics – einer der beliebtesten Kurse in Oxford

Der Kurs von Jack Nasher wurde im letzten Semester von den Studenten zu einem der beiden beliebtesten Kurse gewählt. Wichtig ist, dass der Kurs fächerübergreifend war, er musste also für BWL-Studenten genauso interessant sein, wie für Chemiker und Musiker. Gleichzeitig hatte Stanford die Anforderungen an Jack Nasher, dass der Kurs auch wissenschaftlich genug ist. Das Engagement, das ursprünglich für ein Semester vereinbart war, wurde bereits zweimal verlängert. Wie es jetzt weiter geht, steht allerdings Corona-bedingt in den Sternen.

Political Correctness als Minenfeld

Die Political Correctness hat sich in den letzten Jahren massiv verstärkt – in England auch, aber besonders in den USA. Das ist manchmal sehr unangenehm. Die Vorstellung einer Studie, dass Frauen weniger verhandeln als Männer, hat zu negativem Feedback geführt.

Man denkt schon darüber nach, ob man das jetzt sagen kann

Auch bei Präsentationen, die noch vor wenigen Jahren eingesetzt wurden, muss man heute zweimal hinsehen. So gut die Studenten auch sind und es stolz macht ein Teil von Stanford zu sein, aber es nimmt schon etwas die Leichtigkeit. Die Frage ist, ob wir dem eigentlichen Ziel – der Gleichstellung aller Menschen – damit näher gekommen sind. Diversity darf jedenfalls nicht sein, dass alle gleich denken und nur noch unterschiedlich aussehen.

Trumps China-Dealmaker für Jack Nashers Stanford Studenten

Jack Nasher hat Donald Trumps rechte Hand in Sachen Verhandlungen an den Campus nach Oxford eingeladen. Eskortiert vom Secret Service hat Robert Lightizer vor einem ausgewählten Kreis einen Vortrag gehalten. Ein kultureller Unterschied, denn an deutschen Universitäten kommen solche Kaliber an Menschen nicht regelmäßig vorbei.

Private Universitäten versus Staatsgläubigkeit

Stanford ist eine private Hochschule und die zweitbeste Universität der Welt – allerdings mit einem Jahresetat von 6,8 Mrd. USD. Als Professor an der privaten Munich Business School weiß Jack Nasher, dass es auch hier große kulturelle Unterschiede gibt. In Deutschland ist man eher staatsgläubig und öffentliche Uni erhalten millionenschwere Unterstützung, während private Unis keinerlei Unterstützung bekommen. Ein oft übersehenes Argument für private Hochschulen ist, dass der Studierende dort so etwas wie ein Kunde ist – und deswegen die Uni alles dafür tut, dass jeder einzelne optimal unterstützt wird.

Warum sollte ein Busfahrer von seinen Steuergeldern mein Studium finanzieren?

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Jack Nashers Stanford Profile

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Jack Nashers Bücher

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Oxford University

Munich Business School


Transcription des Podcasts “Jack Nasher Stanford, München, Montabaur

I: Prima. Ja, hallo, lieber Jack Nasher, zum dritten Mal in diesem Jahr zum Podcast. 

B: Hallo, mein Lieber, wie geht es dir?

I: Alles bestens soweit. Wir sind ja mittlerweile, sagen wir mal, aus dem ganz tiefen Tal der Corona-Tränen hoffentlich bald heraus – sehen schon das nächste auf uns zukommen, aber wir bleiben natürlich optimistisch. Und ich denke, unsere Zuhörer freuen sich darauf, heute mal wieder ein paar Informationen direkt von dir zu erhalten. Ja, Jack, du bist Fakultätsmitglied der Stanford-University im Oxford-Programm. Und da haben wir natürlich sehr viel Gutes zu gehört. Und da würde mich sehr interessieren, was du denn da aus deiner Perspektive zu berichten hast. Ja, wie sieht das aus? Was machst du da ganz konkret? Wie geht das zu in England im Vergleich zu München, wo du als Professor tätig bist? Aber auch zu einer amerikanischen Universität Stanford, wo du selber auch früher tätig warst? 

B: Das war eine ganz interessante Möglichkeit, weil ich wollte wieder zurück nach Oxford. Weil da hatte ich ja studiert und habe dann auch unterrichtet, meine erste also Anfänge sozusagen als Tutor. Es gibt eben ein Programm in Oxford von der Stanford-University, das sogenannte Bing-Overseas-Program, also die Stanford-University hat an, ich glaube, an 12 anderen Campi, also noch in New York, in Madrid und so weiter, Auslandscampi für ihre Studenten, die ihr Auslandssemester machen können oder auch länger bleiben, oder auch ein ganzes Jahr oder ich glaube, manche sind sogar noch länger da. Und Oxford ist eben eins davon. Das gibt es jetzt seit einigen Jahrzehnten und ist das beliebteste von allen. Und auch das, wo es am schwierigsten ist, reinzukommen. Das heißt, die Studenten sind sehr gut, die Stanford-Studenten, die da sind. Und es ist eigentlich ganz interessant, weil früher, als es angefangen hat, hatte Oxford ziemlich wenig Interesse an Stanford, an irgendeiner amerikanischen, relativ neuen Uni. Das hat sich völlig gewandelt, weil eben durch diesen Wahnsinnserfolg auch vom Silicon-Valley und Stanford halt ganz, ganz oben, also in allen Rankings sind sie. Ich meine, die ist ja relativ jung auch im Vergleich zu Harvard oder Yale, ist ja keine Ivy-League-University, sondern ist ja aus dem späten, also knapp über 100 Jahre alt und hat sich wahnsinnig gemacht. Und wird eben in Oxford sehr hofiert. Die Stanford-Studenten, die in Oxford sind, sind auch Mitglied der Oxford-University in der Zeit, in der sie da sind, werden sie einem College zugeteilt. Und die Dozenten eben auch. War jetzt auch in einem College jetzt einige Jahre. Und das ist also praktisch das, ein Auslandscampus der der Stanford University. Was ganz interessant ist, weil eben praktisch zwei wirklich Top-Unis kombiniert. Und der Unterschied ist interessant. Stanford ist halt sehr Silicon Valley, ziemlich IT- und Start-up-mäßig unterwegs. Und Oxford eher die sehr klassische Humanities, das heißt geisteswissenschaftliche Uni. Und das ist schon auch interessant, dieser Kontrast.

I: Ja, stelle ich mir auch sehr spannend vor, diese Kombinationen, ja, aus der, wir hatten im Grunde genommen ja die neue und die alte Welt zusammen auf einem Campus, ja, die Oxford-University als älteste englischsprachige Universität der Welt. Du hast es eben angesprochen, Stanford gerade mal 100 Jahre. Oxford habe ich nochmal nachgeschaut, nachweislich seit dem 12. Jahrhundert. Also schon.

B: Ja, ich meine, man muss so sagen, also in, (unv.) College hat ein Gebäude, das heißt New Building. Das ist älter, deutlich älter als die Stanford-University. Das ist irgendwann aus den Neunzigern. Das ist knapp 200 Jahre alt, (unv.) Jahre alt. Und das ist immer noch das New Building. Dass man wirklich das in Perspektive hat. Alles ist halt sehr alt, wobei natürlich die Uni versucht, immer sehr modern zu sein und sich anzupassen. Das tut sie auch. Ich meine, es gibt Business-School jetzt seit einigen Jahren, wo ich sage, Business-School, an der ich eben auch war. Und insofern geht die schon irgendwo mit der Zeit, aber natürlich ist der Mindset etwas doch anders als (unv.).

I: Du hast ganz viele Punkte jetzt schon genannt. Ich habe ein paar ganz konkrete Rückfragen dazu. Und zwar, du hast davon gesprochen, dass der beliebteste Auslandscampus. Woran misst sich das denn? Also wie macht man das fest, was jetzt der beliebteste Campus ist? 

B: Naja, die höchsten, einfach die höchsten Bewerberzahlen und die höchste Ablehnungsquote. Das heißt, die Studenten eben, also ja, man kann nach Madrid, man kann nach Kapstadt, Kyoto und so weiter. Aber Oxford ist halt nun mal der Campus mit den meisten Bewerbungen. Ist nämlich so, das ist nicht themenspezifisch, sondern jeder Bachelorstudent, also fächerübergreifend in Stanford kann sich eben bewerben, aber tatsächlich, weil es eben so schwer ist, in Oxford reinzukommen, was sicher auch am Namen natürlich, ich meine, Teil von der Oxford-University zu sein ist auch beim modernsten Amerikaner sehr hoch im Kurs. Deswegen ist das eben so ein sehr besonderer, also New York ist sicherlich auch beliebt, aber ist es natürlich, übrigens in New York habe ich auch mein, im Stanford-Campus habe ich mein Buch vorgestellten, „Convinced“, als es in Amerika rauskam. Die haben mir das zur Verfügung gestellt freundlicherweise. Aber jedenfalls ist es natürlich netter, mal in Oxford zu sein für viele. Und deswegen ist es eben sehr, sehr hart, reinzukommen. Zeigt sich einfach an den Studenten. Also es sind wirklich Top-Studenten, ja.

I: Dein Kurs ist der beliebteste Kurs. Wie heißt er? Und was machst du da ganz konkret mit deinem Studenten? Was lernen die?

B: Ja, genau. Der Kurs war tatsächlich letztes Jahr mit einem anderen zusammen der beliebteste Kurs des ganzen Semesters. Eigentlich war mein Appointment nur für ein Semester, wurde aber auch jetzt zweimal verlängert.

I: Was ja auch schon außergewöhnlich ist.

B: Was ungewöhnlich ist und was mich ein bisschen in Zeitnot gebracht, weil ich bin ja Professor in München und ich muss das alles unter einen Hut bringen und habe eben noch mein, vor allem mein Verhandlungsinstitut. Das war jetzt nicht so leicht tatsächlich beim letzten Mal. Und jetzt steht es in den Sternen, ob es überhaupt weitergeht, weil im Moment ist alles auf Eis wegen eben der Corona-Situation. Ja, mein Kurs war, „Deal Dynamics“ hieß er. Also ist das gute alte Verhandeln. Und ich habe ihn natürlich etwas angepasst, aber wichtig ist, da sind eben, das ist fächerübergreifend. Das heißt, sind keine BWL-Studenten unbedingt, also kann auch sein, aber es kann, die können alles studieren. Ja, das heißt, es muss also so sein, dass es für jeden ist da eben auch, legt sehr viel Wert auf das Akademische.

I: Ja, das finde ich auch interessant, was du sagst, dass es eben nicht nur Betriebswirtschaftler sein müssen, sondern dass eben, dass Menschen aus unterschiedlichsten, mit unterschiedlichstem Hintergrund und auch Interessen sein können, Ja gerade

B: Ja.

I: aber dann auch eben an dem Thema Verhandlungen interessiert zu sein. Was ist denn das dann für den Mischung? Oder was sind das für Menschen, die du da vor dir hast in dem Kurs?

B: Ja, also tatsächlich, also es sind wirklich (unv.) von Chemikern über Musiker. Also wirklich ganz verrückt. Aber man muss auch aufpassen, das ist tatsächlich so, die Political Correctness in England auch, aber in Amerika noch viel stärker verbreitet ist. Das heißt, es ist zum, also man muss, was mir auch sehr unangenehm ist manchmal, weil ich manche Sachen gar nicht sagen kann. Also tatsächlich gibt es halt nun mal Studien, die zeigen, dass Frauen weniger verhandeln als Männer, ja. Und wenn man so eine Studie bringt, ja, habe ich jetzt in meinen einen Kurs gemacht, dann kam tatsächlich danach Negatives Feedback, so nach dem Motto: ja, das ist also sexistisch, ja. Wobei das halt nun mal ein Studienergebnis ist, ja. Also das ist schon, es bewegt sich eine sehr, teilweise, dass man echt dreimal überlegt, ob man einen Witz macht, der eigentlich harmlos, denkst, ist eigentlich harmlos, aber viele Sachen, auch wenn ich meine, man nimmt man ja auch Vorlesungen her, die man vor ein paar Jahren hatte und nimmt sich da wieder ein paar Slides  und Sachen, die ich vor fünf Jahren gesagt hat, die würde ich heute nicht so sagen, ja. Und gerade in Amerika oder an amerikanischen Unis und auch bei Oxford mittlerweile auch, muss man echt aufpassen. Das ist tatsächlich Minenfeld. Also das ist noch eine Sache. So gut die Studenten auch sind, so stolz sozusagen und froh ich bin, dass ich wieder in Oxford bin und jetzt auch ein Teil von Stanford sogar bin, also das ist eine Sache, die mir doch sehr zu schaffen macht und ich glaube, dass ich irgendwie, ja, das nimmt so ein bisschen die Leichtigkeit. Aber das schleicht sich in Deutschland zum Glück, wie ich merke, langsamer ein, aber es schleicht sich auch hier ein.

I: Genau. Das wäre jetzt so meine nächste Frage dazu. Nämlich, wir sind ja auf einem ähnlichen Weg, ja, was den Umgang mit diesen Themen angeht, die Gleichstellung auch in jeder Form, ja, der Verbalisierung angeht. Und da gibt es zwar auch Kritik, aber ich habe schon den Eindruck, dass sich das, ja, nach und nach durchsetzen wird. Und das Ganze soll ja auch nicht irgendwo ideologisch belastet sein, sondern es hat ja ein Ziel, eigentlich. Und da stelle ich mir die Frage, wo du ja dann diesen Blick über den Tellerrand hast: bringt das irgendwas? Also hat das irgendwas positiv verändert, jetzt für die Frauen? Darum geht es ja im Grunde genommen, oder?

B: Ja, also ich, ja, gut, Frauen oder andere, sozusagen andere Hautfarben oder – darf man das noch sagen? Ich weiß es gar nicht. Es führt dazu, dass, wie Peter Thiel, der Investor, deutsch-amerikanische Investor mal gesagt hat, dass Diversity eigentlich nur noch bedeutet, dass alle unterschiedlich aussehen, aber genau gleich denken, ja. Und das (unv.) Diversity eigentlich nicht sein, ja. Diversity muss auch sein, dass man damit klarkommt, dass jemand zum Beispiel auch gerade in Stanford jetzt Trump mag, zum Beispiel, ja. Das muss einfach okay sein. Aber nein, das geht nicht. Also das ist wirklich, jetzt unabhängig davon, was ich denke oder jemand anders denkt. Also ich hatte da zum Beispiel, und ich meine, das ist eine sehr gute Sache an amerikanischen Unis, die machen sehr viel für ihre Studenten. Also das ist unglaublich teilweise. Also ja, da möchte jemand ein Musikinstrument spielen, sagt: ja, ich will gern Geige spielen. Und dann besorgen die dir eine Geige, ja. Ja, das ist unglaublich. Man hatte eben dann auch ein Budget und so weiter und ich hatte dann auch, da gab es einen Vortrag von Robert Lighthizer in Oxford (unv.).

I: Der Schreiner-Dealmaker von Donald Trump. 

B: Genau. Das ist einer der der größten Verhandler der USA, sagen wir mal. Also der war Partner im, bei Skadden, der hat schon, für Ronald Reagan war er US-Trade-Representative und hat Handelsverträge ausgehandelt. Jetzt führt er die die China-Verhandlungen. Ein ganz erfahrener Mensch. Und den habe ich dann eingeladen zu uns. Auch interessant, dass, der kam mit Secret Service, es war ein riesen Gedöns. (unv.) er kam nur deswegen, weil ich auch bei Skadden war. Ich meine, ich habe mein Referendariat gemacht, beide bei Skadden war, das war der ausschlaggebende Punkt. Interessant, ja.

I: Nicht schlecht, ja, also.

B: Meint er sonst, naja, hat er so viel zu tun und ist so busy. Aber ganz interessant und ein sympathischer, sehr American-Typ, ja. (unv.) Simple-working-class-American, dafür kämpft er und dafür verhandelt er. Und das war nicht leicht sozusagen auch das zu argumentieren. Ja, wie kommt jetzt Trump, ich meine, der telefoniert dreimal am Tag mit Trump, ist Trumps rechte Hand sozusagen in Verhandlungen und so weiter. Aber das war dann auch okay, muss ich auch sagen. Also und es war auch sehr schön. Also der war dann eben bei uns, wir haben da einen kleinen Empfang gegeben. Also wirklich nur für 10, 15 Leute. Also wirklich ganz, ganz klein, abends relativ spät, weil er einen anderen Vortrag gehalten hat. Das ist natürlich schon was Tolles. Und das ist eben das, was Oxford oder auch andere Top Unis ausmachen, was mir so wahnsinnig gut gefallen hat, auch als ich dort studiert habe, dass du halt unglaubliche Kaliber von Leuten hast, die da ständig vorbeikommen, ja. Und auch, die sich gerne einladen lassen, weil du kommst ja gerne nach Oxford und bist dann da Gast.

I: Ja, das ist eine Kultur, die es so nach wie vor an deutschen Universitäten oder Hochschulen einfach nicht gibt. Richtig?

B: Nein, es ist es schwieriger, das zu machen. Ich meine, es gibt sehr große strukturelle Unterschiede. Ich meine, man muss auch sagen, Stanford ist eine private Hochschule, eben so wie Harvard ist eine private Hochschule, Yale ist eine private Hochschule. Und in Deutschland, die privaten, also ich bin ja an der privaten Hochschule, an der Munich Business School, das ist halt noch ein weiter Weg, ja. Weil in Deutschland ist man eher irgendwo noch staatsgläubig, dass man sagt, naja, die Staatsunis, die übrigens hunderte von Millionen, allein die LMU in München oder TU, hunderte von Millionen bekommen. Wir bekommen gar nichts und trotzdem wird in Deutschland es irgendwie stiefmütterlich behandelt. Es ist ganz klar. Also es gibt sehr große strukturelle Unterschiede. Das würde jetzt zu weit führen. Aber jedenfalls ist in Amerika und überhaupt diese Kultur, dass die Uni auch was für dich tut und so weiter, weil du ja auch ein Kunde bist im Prinzip und nicht Bittsteller, der sich da tausendmal anstellen muss, um irgendeinen Stempel zu bekommen. Das ist halt schon eine sehr positive Sache, wie ich finde, ja. 

I: Auf jeden Fall, ja. Die Unterschiede zwischen den Studierenden an den verschiedenen Standorten hast du schon angesprochen. Mich würde nochmal interessieren, wie so deine Wahrnehmung ist, wenn du zwischen England und München pendelst beziehungsweise unterwegs bist. Ja, wie, was ist aus deiner Sicht so der signifikanteste Unterschied, ja, zwischen dem typischen Studierenden in England und dem in, bei dir in München?

B: In England kenne ich mich nicht gut aus, ich kenne nur Oxford und London im Prinzip. Ich war nur dort, aber es ist natürlich so, dass in Oxford, das muss man einfach sagen, kommen die Besten der Besten hin, weil einfach, ich meine jetzt, wenn ein Chinese oder ein Inder nach Oxford kommt, da muss schon viel passiert sein. Entweder ist er sehr reich, wenn er sich das, aber, wobei in Oxford kann man sich auch nicht einkaufen. Oder, also und er muss einfach wahnsinnig gut sein, ja, weil gerade, wenn er jetzt also irgendeinem chinesischen Dorf kommt, also bis er den Weg schafft nach Oxford zu kommen. Es gibt so viele, so Millionen von Chinesen, die auch dahin wollen, ja. Es ist so viel leichter für einen Deutschen, weil wir so viel weniger Wettbewerb sozusagen haben. Wenn einer aus einer chinesischen Provinz kommt nach Oxford, der muss brillant sein, das kann man gar nicht anders sagen. Und das, was die Uni, ich meine, am Ende sitzt man irgendwo in der, in der Bibliothek oder an seinem Laptop, ja, alle kochen mit Wasser, aber was die, was eben diese Uni so gut macht, ist: die Leute, die angezogen werden dadurch. Wir haben auch in München an der Munich Business School ganz hervorragende Studenten, aber wir haben auch Studenten, die nicht so gut sind. Also da ist ein Gefälle, was immens ist und was es in Oxford nicht, einfach nicht gibt, ja. Also das muss man einfach sagen. Da ist das Niveau, sozusagen das Durchschnittsniveau sehr, sehr hoch.

I: Verstehe.

B: Und diese, ich habe an vielen Unis unterrichtet und was ich halt gesehen habe, also dass einfach eben diese Konstanz von Qualität, ja, das heißt nicht, alle sind Genies, aber im Prinzip, in Oxford gibt es halt wenig Tröten, ja. Das muss man, ja.

I: Ganz einfach und nachvollziehbar gesprochen.

B: Genau.

I: Ja.

B: Und was ich sehe an amerikanischen Studenten, also die, die ich hatte, die sind sehr, sehr driven und haben oft sehr, wissen schon, was sie wollen, ja. Die wissen schon, was sie danach machen wollen. Die sehen auch oft das Studium Mittel zum Zweck irgendwohin zu für. Und in Deutschland hast du mal studiert und ja – was willst du machen? Keine Ahnung, ja. Das ist schon so eine Sache.

I: Wobei ich glaube, dass das auch da ein Abbild der gesamten Gesellschaft ist, dass, sagen wir, bei uns die Jugend, die häufig, in der Schule kommt mir das auf jeden Fall so vor, ja, dass sie da schon eher etwas eingeengt werden in ihren Betrachtungen, ihrer Denkweise, ja, dass sie halt, bei uns heißt das Bulimie-Lernen, ja. Also die trichtern sich was ein, um es dann zum richtigen Zeitpunkt wieder raus, ja, zu geben, ja, um eine Note zu erreichen. Aber so dieses Lernen im Sinne von verinnerlichen und auch wachsen da dran, ja. Und daraus so ein, auch eine Persönlichkeit zu entwickeln, ja, mit Zielen, ja, mit einer ganz konkreten Vorstellung, das ist, denke ich, auch was kulturell eben bei uns, ja, nicht so eine große Bedeutung hat, leider, nach wie vor. 

B: Ja, also ich kann beides eben auch verstehen. Es ist sicher auch schön, also als ich angefangen habe zu studieren, das war sogar noch vor diesem ganzen Bachelor-Master-Gedöns, obwohl ich dann später auch einen Master gemacht habe. Aber das war auch sehr entspannend. Also man konnte auch mehr sich seinen Interessen irgendwie widmen. Ich habe mich in sehr viele andere Vorlesungen gesetzt. Ich habe ja angefangen mit Jura und bin dann zu, habe dann, eben Psychologie hat mich wahnsinnig fasziniert. Und habe, saß dann im Hörsaal, habe mir einfach Psychologie angehört. Dann bin ich in den Hörsaal, habe mir Philosophie angehört. Das ist halt auch sehr schön, ja. Das geht heute gar nicht mehr irgendwie.

I: So lernen um das Lernen willen, ja.

B: Ja, genau. Und dann, das, also das fand ich auch sehr schön. Also, dass, aber auf der anderen Seite, ich meine, ich habe in Trier angefangen zu studieren, ja. Das Land Rheinland-Pfalz hat meine Ausbildung bezahlt, also die Bürger von Rheinland-Pfalz, ja. Ich war fast nie wieder dort, ja. Ist es jetzt fair, dass ich da, ja, kostenlos das einfach bekommen habe? Finde ich, also klar, habe ich genommen, ja. Natürlich, was soll ich machen? Ja, aber irgendwie denke ich mir, ja, also dass die jetzt da meine ganzen Interessen gefördert haben jahrelang, ist jetzt eigentlich auch nicht fair. Aber für mich war es gut, ja.

I: Ja, also ich find schon, dass Staat eben auch eine Aufgabe hat, ja, also für eine sehr, sehr hohe Bildung zu sorgen, ja, und dass wir uns auch mit staatlichen Einrichtungen und Universitäten nicht unbedingt international verstecken müssen. 

B: Nein, müssen wir nicht. Die Frage ist halt nur, wer es bezahlt, ja. Sollen es alle

I: Na klar.

B: bezahlen? (unv.) also irgendeinen Busfahrer, der nichts davon hat, dass ich dann Anwalt oder was weiß ich was bin, ja. (unv.) soll der davon, dafür zahlen? Oder soll der dafür zahlen, der davon profitiert? Egal wann, ob jetzt sofort oder in Jahren. Aber das ist eine grundsätzliche Frage, die man sich stellen muss. Weil Bildung ist nicht kostenlos, war auch nie kostenlos. Die Frage ist nur, wer es zahlt.

I: Absolut. Ja, absolut, natürlich, klar. Das ist dann, ja, der Vergleich zwischen dem privaten und dem öffentlichen Bildungssystem und klar, bei dem einen bezahlst du das gleiche nur über deine Steuergelder, bei den öffentlichen. Und wenn du an der privaten Uni bist, dann.

B: Aber nicht nur du. Das ist ja das. Nicht nur du

I: Na klar.

B: sondern alle. Und da muss man sich halt fragen. Das soll, auch gerade Niedrigverdiener oder Mittelverdiener, die auch gar keinen Studienabschluss haben und wollen oder auch die Kinder nicht, sollen die für die zukünftigen Zahnärzte und Anwälte aufkommen? Das ist auch eine Gerechtigkeitsfrage, die immer, die eigentlich nie gestellt wird, weil es immer heißt, ja, Bildung soll kostenlos bleiben.

I: Was ist deine Meinung dazu?

B: Meine Meinung ist sehr differenziert. Ich denke, es ist unfair, grundsätzlich unfair, dass die Gemeinschaft, dass Menschen, die nichts davon haben, ja, also jetzt, das beste Beispiel bin ich selbst, habe in Rheinland-Pfalz studiert, war praktisch nie wieder in Rheinland-Pfalz. Obwohl (unv.) bei dir hier (unv.) wieder da.

I: Endlich kriegen wir unser Geld zurück. 

B: Ja, nein, eben nicht. Auch da bin ich nur aus

I: Ja, ich weiß schon, ja.

B: um Geld zu verdienen sozusagen. (unv.) und gebe noch nicht mal irgendwas zurück. Ja, also das ist einfach, das ist eigentlich unfair. Muss man einfach sagen. Auch wenn ich selber davon profitiert habe, also ist das, scheint mir das nicht fair zu sein, ja. Auf der anderen Seite sehe ich natürlich in Amerika die Student-Loans, die sind wahnsinnig überschuldet, die Leute, am Ende ihres Studiums. Das ist auch schlecht. Also ich will damit nur sagen, und das ist auch ganz interessant. Ich habe zu vielen Sachen gar keine Meinung, weil Sachen so komplex sind, dass man wirklich sagen muss, das ist einfach eine schwierige Situation. Ja und mich, ich bin immer überrascht, wenn Leute dann so empört sind und sagen: das muss so und so, Bildung muss kostenlos bleiben, das ist eine Schweinerei. Und also habe ich gesehen, ja, Merkel zwingt mich zur Prostitution, hat mal eine demonstriert irgendwie, habe ich mal gesehen.

I: Oh wow.

B: Ja, weil Argument war, weil sie halt irgendwie Semesterticket zahlen muss und jetzt muss sie sich natürlich prostituieren, was auch, anders kann man ja auch kein Geld verdienen, um das zu bezahlen. 

I: Absolut natürlich, ja.

B: Auf jeden Fall (unv.). Aber da denk ich mir, wie kann man so empört sein bei einer so komplexen Frage? Also ich habe da mir noch nicht genug Gedanken gemacht, um das zu (unv.), ja.

I: Ich glaube, das ist für beide, es gibt, für beide Positionen gibt es gute Argumente.

B: So ich das auch, ja. 

I: Also ich finde schon, dass Staat auch eine Aufgabe und eine Verantwortung hat, ja, auch gerade Menschen, die einfach von ihrer Herkunft her vielleicht die Möglichkeit gar nicht hätten. Ja, also die eine ganz andere Denkweise haben und damit eine private Uni, an der sie halt ihre Semestergebühren, ja, 600 €, 800 €, 1.000 €, 1.200 € im Monat bezahlen müssten, das ist jenseits

B: Ja.

I: jeder Vorstellung, ja. 

B: Ja, ja, aber die Frage ist, ob man das halt schenkt. Es ist ja nicht der Staat, der das schenkt, sondern es sind alle Bürger. Es gibt ja gar keinen Staat. Also dass irgendjemand graue Eminenz ist, das sind wir.

I: Absolut, na klar.

B: Und soll man alle die bezahlen oder soll diese Person, die das halt jetzt nicht aufbringen kann, zu einem späteren Zeitpunkt dann halt zahlen? Das ist halt die Frage.

I: Absolut definitiv. Wie gesagt, ich glaube, dass es für beide Positionen gute Gründe gibt. Und deswegen finde ich auch das sehr gut, dass es sowohl private Universitäten gibt als auch die staatlichen. Gut, mein lieber.

B: Ja.

I: Du hast eben kurz beiläufig erwähnt, das Thema Rheinland-Pfalz und Montabaur. Und das bringt mich abschließend zu einem ganz wichtigen sachdienlichen Hinweis. Und zwar gibt es da einen Termin am 3. und 4. September in Montabaur, wo du nämlich zum letzten Mal in diesem Jahr außerhalb von München ein Seminar gibst.

B: Richtig, ja, genau. Ja, es gibt noch eins im Oktober. Aber tatsächlich bin ich da, was ganz außergewöhnlich ist bei so einem wirklich coolen Typen, ja, der so ein richtiger Macher, der auch so den, einen Lauf sponsert im

I: Den Koblenzer Firmenlauf. Du sprichst von Bernhard Münz in Montabaur.

B: Ja, genau.

I: Ja, genau.

B: Genau, ja. Cooler Typ. Und der hat das eben organisiert

I: (unv.), ja.

B: für seine Unternehmerfreunde und so weiter und schon von langer Hand. Und der hat auch irgendwie, der hat, fand, es gab kein gescheites Restaurant. Da hat er einfach selber eins gegründet, wo er seine Leute empfangen kann, was wohl auch sehr gut sein soll. Und da ist es, ja. Da habe ich auch viel Gutes gehört. Und tatsächlich, die haben auch irgendwelche Veranstaltungsräume. Und der hat das eben, der war bei mir im Seminar und er hat einfach gemacht. Haben noch nie gemacht. Und bin ich in Montabaur tatsächlich. Und wir sehen uns ja auch. Das ist auch schön.

I: Absolut, ja. Ja, also Montabaur ist eine Kreisstadt im Westerwald und jetzt kann man glauben, man befindet sich in der Provinz, aber, ja, wir haben nicht nur einen ICE-Bahnhof, hier ist auch die Firma 1&1 ansässig. Ja, stammt hierher. Der Ralph Dommermuth, ein weiterer ganz bekannter, weltweit bekannter Westerwälder. Und ja, insofern freue mich natürlich sehr auf deinen Besuch und dass ich dir einen kleinen Ausschnitt des schönen Westerwalds hier dann auch etwas näher bringen darf. 

B: Ja, sehr gut. Also genau. Vielleicht sehen wir uns zum Seminar, würde mich freuen. Das ist eben das Verhandlungsseminar, was ich tatsächlich wegen Corona lange, lange nicht mehr gegeben. Ich habe mich jetzt neu vorbereitet und wirklich ein paar neue Sachen. Bin wirklich gespannt und ja, also deswegen haben wir tatsächlich, auch wegen dieser Corona-Sache sind, also ich will jetzt keine Werbung machen, aber sind tatsächlich noch ein paar, ich glaube, zwei oder drei Plätze frei von weniger als 20, von 15 oder so.

I: Genau, das habe ich auch so gehört.

B: Genau.

I: Und, ja, insofern unsere Zuhörer an dieser Stelle, wenn ihr jetzt früh genug dran seid, ja, dann schaut auf nasher.com, ja, in den Veranstaltungsbereich, in die Termine rein und vielleicht ist da noch ein letztes Plätzchen frei. Wie gesagt, die letzte Möglichkeit in diesem Jahr außerhalb von München. 

B: Super, ja. Vielen Dank für diese subtile Werbung, aber melden sich jetzt an. Lieber. 

I: So sind wir Westerwälder, ja, sehr subtil, ja. Würde ich sagen, wir bleiben in Kontakt. Wir sehen uns spätestens dann am 3., 4. September hier in Montabaur. Und ich wünsch dir alles Gute bis dahin.

B: Ja, super, mein lieber. Vielen Dank für das nette Interview. Bis dann.


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